Vorständetafel

Vorstandschaft
Die Vorstände im Jahre 2010 seit der Neugründung                                     Foto: www.foto-keidel.de
 Von links: Fritz Löffler, Helmut Schädler, Peter Beck, Hans Wolf und Hubert Keller


Die Vorstände des Musikvereins seit der Neugründung im Jahr 1962 waren:

     1962 - 1965

Fritz Löffler

     1965 - 1971

Helmut Schädler

     1971 - 1978

Hans Wolf

     1978 - 1989

Peter Beck

     1989 - 1999

Hans Wolf

     1999 - aktuell

Hubert Keller

MV-Vorstände seit der Wiedergründung blicken zurück - Teil 1

In diesem Jahr feiert der Musikverein Boll sein 125-jähriges Jubiläum - der passende Moment für einen Blick in die Vergangenheit. Seit der Neugründung nach dem Krieg im Jahr 1962 gibt es viele Zeitzeugen. Das Besondere ist, dass alle Vorstände seit dieser Zeit dazu bereit waren, von der Entstehung des Vereins und seinen Weg bis heute zu berichten. Mit durchschnittlich mehr als zehn Jahren als erster Vorsitzender prägten sie wie wenige sonst den Verein und damit auch den Ort.

Aus einer kleinen Gruppe von Musikern entstand Anfang der 60er Jahre die Musikkapelle. Wie genau Fitz Löffler dann im Jahr 1962 zum Amt des Vorstands kam, weiß er auch nicht so genau. Seine pragmatische Erklärung: "Man musste halt einen haben". Eine Sichtweise, die auch bei seinen Nachfolgern zu finden ist. Dass die Vorstandschaften zu allen Zeiten Herausforderungen aber vor allem auch viele schöne Erlebnisse hatte, zeigen die Geschichten, die alle fünf Vorstände erzählen können. Und die leuchtenden Augen, die jeder von ihnen dabei bekommt.

Bei den zirka 15 Musikern aus der Gründerzeit standen vor allem der Zusammenhalt und die Kameradschaft im Mittelpunkt. Gerne erinnert sich Fritz zum Beispiel an das erste Fest bei der alten Turnhalle und die vielen Hochzeiten, bei denen zum Tanz aufgespielt wurde. Auch später, als er sich als Dirigent der Kapelle zur Verfügung stellte, wurde diese Kameradschaft beibehalten, was nicht immer leicht war. Gerade wenn man selbst in der Kapelle mitgespielt hat, sei es schwer, plötzlich als Dirigent vor den Kameraden zu stehen, jemand von außerhalb könne da anders auftreten. Bis heute fühlt er sich dem Verein verbunden - und gibt auch schon mal eine Rückmeldung an die heute in der Verantwortung stehenden: "Ich kann meinen Mund nicht halten", schmunzelt der ehemalige Vorstand und Dirigent. Aber man sei immer gut miteinander ausgekommen: "Da hat es nie etwas gegeben!"

Auf die Frage, was sich in all den Jahren am meisten verändert habe, erzählt Fritz Löffler, wie damals das Spielen auf den Instrumenten gelernt wurde: Früher haben die alten Musiker den Nachwuchs ausgebildet. Man bekam die Griffe unter die Noten geschrieben und wurde ins kalte Wasser geworfen. "Da ist der Einstieg heute leichter", ist sich Löffler sicher.

Sein Nachfolger wurde 1965 Helmut Schädler, der damals zwar passives Mitglied war, aber zusammen mit seiner Frau und einer ganzen Clique bei allen Festen und Ausflügen wie zum Beispiel nach Jechtingen dabei war: "Wenn die Musik irgendwo hin ist, sind wir mit", erzählt er. In einer Zeit, in der es keinen Fernseher gab, wurde die Kameradschaft hochgehalten, und die Ausflüge waren für viele eine seltene Gelegenheit, wegzukommen. Nach den schönsten Erlebnissen seiner Amtszeit gefragt meint Schädler: "Darüber könnte man ein Buch schreiben, weil es so viele sind." Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm aber der Ausflug an die Mosel im Jahr 1971.

Eine gute Beziehung gibt es noch heute zum damaligen Dirigenten Hans Schellinger, der sich in Boll immer wohlgefühlt habe. Im Schädlerschen Esszimmer hatte er auch Tochter Andrea Klarinettenunterricht gegeben und ist mit dem Verein zum Bundesmusikfest nach Sindelfingen gefahren.

Noch bis vor ein paar Jahren war das Ehepaar Schädler für den Musikverein aktiv: Beim Kuchen backen oder Salat putzen wurde fleißig mitgeholfen. So wie auch schon zu Amtszeiten, als die Gegele, die damals bei den Festen verkauft wurden, von der Vorstandsgattin zum Auftauen fein säuberlich in Kisten aufgereiht in der eigenen Waschküche gelagert wurden. Man hilft, solange man es kann, ist die Devise der beiden. Aber: "Irgendwann ist es gut gewesen".

Sein Nachfolger als Vorsitzender des Vereins war Hans Wolf, der das Amt gleich zweimal bekleidete: von ´71 bis ´78 und noch einmal von ´89 bis ´99. Auch er übernahm den Vereinsvorsitz, "weil kein anderer es gemacht hat". Zwar hatte er die "klassische Karriere eines guten Vorstands" durchlaufen - war schon Vereinsdiener und auch als Schriftführer in der Vorstandschaft tätig - aber bei der Wahl zum Vorsitzenden kam doch die Frage auf, ob er das Amt überhaupt übernehmen könne. Denn gerade erst Volljährig geworden, musste geklärt werden, ob ein so junger Vorsitzender rechtlich zulässig sei.

Untrennbar mit dem Namen Hans Wolf verbunden ist sicher das Weinfest, dass es bereits seit 1981 gibt. Mal über zwei oder drei Tage hinweg, zunächst in Hechingen, ab ´87 dann in Boll. Gerne erinnert sich Hans Wolf besonders an das Weinfest 1998, als der Höhepunkt an einem zweiten Wochenende die Mainzer Hofsänger eingeladen worden waren. Ein finanzielles Wagnis, das aber mit Erfolg gekrönt wurde.

Als Highlight sieht Hans Wolf auch die gute und enge Zusammenarbeit zur Partnerstadt Joué-lès-Tours. Es war eine hochinteressante Zeit, ich frage mich, wie man das immer alles geschafft hat", resümiert er heute. Und spricht damit an, was viel seiner Vorstandskollegen auch betrifft: Die vielfältigen Aufgaben eines Vereinsvorsitzenden mit dem eigenen Beruf und den Verpflichtungen in der Familie unter einen Hut zu bekommen, ist nicht leicht.

MV-Vorstände seit der Wiedergründung blicken zurück - Teil 2

Im zweiten Teil des Rückblicks berichten die fünf Vorstände des Musikvereins Boll anlässlich des 125-jährigen Jubiläums aus ihrer Zeit im Amt. Seit der Wiedergründung 1962 waren nur fünf Männer Vorsitzende des Vereins - für einen Verein sei das sicher ein Glücksfall: Der VfB verschleißt in einer Saison fast so viele Trainer, wie der Musikverein in den vergangenen 52 Jahren an Vorsitzenden hatte, vergleicht Hans Wolf die Situation. Er bekleidete gleich zwei Mal das Amt des Vorstands, unterbrochen von elf Jahren, in denen sein Schwager Peter Beck am Ruder war.

Gerade erst ein paar Wochen in Boll, wurde er gefragt, ob er den Posten übergangsweise übernehmen würde. Nur für ein Jahr wollte er das tun - und dann sollte ein Nachfolger gesucht werden "der von Musik Ahnung hat", schmunzelt er. Geworden sind es dann doch fast 12 Jahre.

Er mag die traditionelle Blasmusik und ist sich der Bedeutung eines Musikvereins für den Ort bewusst - nicht erst seit er für viele Jahre der Ortsvorsteher von Boll war. "In einem ländlichen Raum ist das der Kulturträger Nummer 1. Ein Flecken ohne Musik? - Da würde etwas fehlen!", sagt Peter Beck. Nicht nur darum habe er immer einen guten Kontakt zum Verein gehalten.

Für ihn hat es so viele schöne Momente in seiner Amtszeit als Vorstand des MV Boll gegeben, dass er sich für keinen speziellen entscheiden kann: Die Weinfeste, die Begegnungen mit den Musikern aus Joué-lès-Tours, die Feier zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, die Verleihung der Zelter Plakette in Köln…

Als größte Herausforderung sah er es an, den Verein nach turbulenten Zeiten wieder zusammenzuschweißen. Was ihn wie auch Hans Wolf aus heutiger Sicht besonders freut, ist, dass sich der Verein über die Jahrzehnte trotz mancher Aufs und Abs stabilisiert hat. Die gute Kameradschaft sei dafür ein wichtiger Faktor.

Verändert hat sich aus Sicht von Peter Beck besonders die Literatur, die die Kapelle spielt. Neben der traditionellen Blasmusik wurde über die Jahre von den Dirigenten immer mehr auch die konzertante Blasmusik in Boll etabliert.

Als er in die Kommunalpolitik wechselte, übergab er das Amt wieder an Hans Wolf, der ihn als zweiter Vorsitzender vor allem in den musikalischen Bereichen die ganze Zeit über unterstützt hatte. Was alle Vorstände zu schätzen wissen, ist die Unterstützung von den Vorstandskollegen. Hier ist immer wieder neue Modelle der Aufgabenteilung ausprobiert und an die Voraussetzungen der jeweiligen Zeit angepasst worden.

So macht sich Hubert Keller als aktueller Vorstand auch Gedanken, wie die Weichen für einen zukunftsfähigen Verein gestellt werden müssen. Für ihn selbst war der Einstieg die herausforderndste Zeit. "Es ist nicht leicht, wenn man ein Amt übernimmt, bei dem so vieles auf Erfahrungswerten aufbaut.

"Ich bin bescheiden", sagt Hubert Keller, wenn es um die schönsten Momente als Vorstand geht. Er freue sich immer dann, wenn ein Auftritt oder ein Fest gut gelaufen sei, bei dem man vorher befürchtet hatte, dass es nicht klappen würde. Zu seinen Highlights zählt er das Open Air-Konzert auf dem Wasen.

Verändert habe sich vor allem der Typ Musiker: Der Anspruch und das Niveau sei gestiegen - sowohl wenn es um Konzerte geht als auch bei Festen. "In Boll haben sich die Feste gute entwickelt, da sprechen die Zahlen für sich", freut sich der aktuelle Vorstand.

Gerade die Frage des Nachwuchses beschäftigt ihn. Denn in Zeiten von geburtenschwachen Jahrgängen ist es wichtig, hier gute Arbeit zu leisten, um den Verein zu erhalten. Denn wenn es keine Mitglieder gibt, dann auch keinen Verein.

Dass er zusammen mit seinen Vorstandskollegen gute Wege eingeschlagen hat, attestieren ihm seine Vorgänger: "Die bewundernswerte Jugendarbeit wird mit Fug und Recht mit der Amtszeit von Hubert Keller in Verbindung gebracht", betont Peter Beck. Hans Wolf bestätigt, dass es dem Verein auch musikalisch gelungen sei, zeitgemäß aufzutreten und nicht einseitig zu werden, was zu einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit des MV Boll beitrage.

Auch wenn Hubert Keller selbst betont, es seien keine Geistesblitze von ihm gewesen, sondern die Umstände, war es doch an ihm und seinem Team, diese neuen Wege auch zu beschreiten und den Worten Taten folgen zu lassen.

So übernahm es der Musikverein Boll auf Anfrage der Eltern beispielsweise, Blockflötenunterricht anzubieten, nachdem die Grundschule in Stetten damit aufgehört hatte. Mit der Kooperation Verein/Schule, der musikalischen Früherziehung, dem Vororchester und der Jugendkapelle ist das Angebot für Nachwuchsmusiker heute größer als je zuvor.